KREATIVITÄT UND LEIDENSCHAFT – SEIT 125 jahren

Unsere Tradition glänzt wie Gold: Frischknecht Juwelier besteht seit 125 Jahren. Unser Unternehmen ist das älteste Uhren- und Schmuckgeschäft in St. Gallen, das stets in Familienhand geblieben ist. Erleben Sie die Jubiläumsgeschichte!

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Teil 6: 1960 bis 1969

Die Sechzigerjahre müssen verrückt gewesen sein: Der Wirtschaftsmotor brummte, die Jugend tanzte
Twist, und sie rannte in die Konzerthallen, um Rolling Stones und Beatles zu erleben.

Mitten in diese turbulenten Zeiten des Aufbruchs wurden vier Mädchen geboren: Katharina, Susanne,
Eveline und Anita. Die Familie von Werner und Annemarie Frischknecht wuchs damit auf sechs
Personen.

Werners Vater Ernst liessen die Sechzigerjahre mit ihrer lauten Musik, den grellen Farben und den
politischen Protesten wohl eher kalt. Er war als Vertreter der zweiten Unternehmergeneration ja
selber bereits in seinen Sechzigern. Seine Aufmerksamkeit galt eher der Landesausstellung in Lausanne,
der Expo 64. Im Goldschmiede-Atelier, wo damals bis zu zwölf Goldschmiede arbeiteten,
entstand speziell auf die Expo hin zeitlos gediegener Schmuck. Ernst liess ein Mannequin kommen,
wie damals ein Model genannt wurde. Gemeinsam mit dem Fotografen fand er eine ganz eigene
Bildsprache, um den Schmuck in Szene zu setzen. Die Fotografien sind bis heute ein Hingucker.
Ganz sanft und zugleich aussagestark sind sie aus dem Firmenarchiv in die heutige Zeit gefallen und
drücken dem Firmenjubiläum ihren Stempel auf.

1969 übergab Ernst Frischknecht das Geschäft seinem erstgeborenen Sohn Werner, dem Vater der
vier Mädchen. Damals wurden auch der Laden und das Goldschmiede-Atelier räumlich vergrössert
und die Verkaufsräume komplett umgebaut.

Teil 5: 1950 – 1959

Der Dieb, die Brosche und zwei Hochzeiten

Es geschah an einem ganz normalen Tag des Jahres 1952: Annemarie Niederer hörte plötzlich Glas
klirren, erschrak, fasste sich aber sofort und rannte hinaus: «Haltet ihn, haltet ihn!», rief sie. Ein Dieb
hatte eines der Schaufenster eingeschlagen und sich an der Auslage bedient. Passanten konnten
ihn tatsächlich festhalten, bis die Polizei kam. Ernst Frischknecht schenkte ihr zur Belohnung eine
goldene Brosche. Annemarie absolvierte bei ihm die Verkäuferinnenlehre.

Und bald hiess Annemarie nicht mehr Niederer, sondern Frischknecht: Im Februar 1957 gab sie
Werner Frischknecht, dem erstgeborenen Sohn von Ernst, das Ja-Wort. Die Brosche von 1952 und
die Goldkette, die Annemaries Mutter an deren Hochzeit trug, wurden auf einem Inserat abgebildet:
«Der Schweizerin geziemt echter Schmuck.» Deshalb wohl trug die Schweizerin Ursula Beer ein von
Frischknecht kreiertes Diadem, als sie im November 1957 einen Abkömmling der russischen Zarenfamilie
Romanow heiratete.

Werner und Annemarie hingegen kehrten der Schweiz den Rücken: Kurz nach ihrer Hochzeit, am
20. März 1957, bestiegen sie in Gibraltar das Transatlantik-Passagierschiff «Cristoforo Colombo». Für
2500 Franken reisten sie nach New York. Werner fand Arbeit als Goldschmied in einem New Yorker
Atelier, Annemarie als Verkäuferin in der Schmuckabteilung des Luxus-Kaufhauses Saks in Manhattans
5th Avenue. Nach gut einem Jahr kehrten die beiden in die Schweiz und in das Familienunternehmen
Frischknecht zurück. Werner und Annemarie Frischknecht sind die Eltern von Katharina
Frischknecht Stettler, die das Geschäft heute führt.

Teil 4: 1940 – 1949

Weltkrieg, eine aussergewöhnliche Frau und eine Pioniertat.

Was macht eine Geschäftsfrau, deren Ehemann Militärdienst leisten muss? Sie schmeisst den Laden
allein. Elsa Frischknecht-Leumann tat das nicht nur ein paar Wochen lang, sondern mit grossem
Herz und Verstand gleich über mehrere Jahre. Und sie zog ihre drei Söhne praktisch allein gross,
während um die Schweiz herum der Zweite Weltkrieg wütete. Ehemann Ernst, Sohn von Firmengründer
Ferdinand Frischknecht, kommandierte derweil eine Verpflegungskompanie, organisierte
Viehmärkte, war einer von einer halben Million Schweizer Soldaten im Aktivdienst.

Trotz Krieg und Aktivdienst schaffte es Ernst offenbar, zum richtigen Zeitpunkt zu Hause zu sein.
Jedenfalls gebar Elsa kurz vor Kriegsende eine Tochter. Endlich ein Mädchen in der Familie. Auch geschäftlich
brachte das Kriegsende rosigere Zeiten: Oft kamen amerikanische Soldaten aus Deutschland
nach St. Gallen und kauften, möglicherweise für ihre Ehefrauen in den USA, bei Frischknecht
Schmuck und Uhren. Ein Dollar entsprach damals mehr als vier Franken – das Einkaufen in der
Schweiz war für Amerikaner attraktiv.

Ernst, ein Pioniergeist, dem stets weibliche Tatkraft und Lebensmut zur Seite standen, errichtete
bereits in den Vierzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts eine Pensionskasse für seine Mitarbeitenden.
Pensionskassen wurden in der Schweiz erst rund dreissig Jahre später obligatorisch. Ernst
und Elsa Frischknecht waren als zweite Unternehmergeneration auch technisch der Zeit voraus:
1948 kauften sie ihr erstes Auto, einen «Ami-Schlitten» der Marke Hudson.

Teil 3: 1920 – 1939

Pferdeliebe, Krisenstimmung und ein Spezialauftrag.

Es nahte der Tag, da Ernst Frischknecht in die Rekrutenschule musste. Der zweitälteste Sohn von Firmengründer Ferdinand war durchtrainiert, ein Kunstturner. Ob er lieber laufe oder reite, fragte ihn der Aushebungsoffizier. Worauf sich Ernst spontan fürs Reiten entschied. Nach dem Einrücken sah er sich, völlig ahnungslos, einer Horde Pferde gegenüber. «Und ich wurde zum wildesten von ihnen befohlen», erzählte er später. Die Passion für Pferde, die Ernst darauf entwickelte, wurde zu einer Familientradition, die auch die jetzige Geschäftsinhaberin Katharina Frischknecht Stettler pflegt.

Und es nahte ebenso der Tag, da Ernst in die Fussstapfen seines Vaters trat und dessen Geschäft übernahm. 1929 war das, wenige Monate vor dem Börsencrash in New York am 29. Oktober 1929, der die Weltwirtschaft in eine tiefe Krise stürzte. Die Stickerei in St. Gallen «schrumpfte umsatzmässig auf ein kleines Bisschen», wie es Ernst ausdrückte. Doch er liess sich nicht entmutigen, er persönlich hatte im Ersten Weltkrieg grösseres Elend erlebt.

Ernst Frischknecht ging beherzt und zielbewusst seinen Weg. 1931 heiratete er Elsa Leumann, 1932 kam Sohn Werner zur Welt, und 1933 zog das Geschäft von der Neugasse an den jetzigen Standort am Marktplatz um. 1938 fügte Ernst Frischknecht dem Schmucksortiment Uhren der Marken Rolex und IWC hinzu. Und 1939 nahm er als einziger Goldschmied von St. Gallen an der Landesausstellung in Zürich teil.

In die Dreissigerjahre fällt auch ein Auftrag, der bis heute einmal im Jahr manifest wird: Wenn die Universität St. Gallen ihren akademischen Feiertag, den Dies academicus, begeht, hängt sich der Rektor eine gewichtige Kette um: die Rektorenkette. Sie stammt aus dem Goldschmiede-Atelier von Frischknecht.

Teil 2: 1900 - 1919

Es kamen schöne und schwere Zeiten für Jungunternehmer Ferdinand Frischknecht. Zum einen war da der Jugendstil mit geschwungenen Linien, floralen Formen und flächigen Ornamenten. Das 1894 gegründete Goldschmiede-Atelier Frischknecht florierte.

Die neue Formensprache beflügelte Künstler und Handwerker, Goldschmiede und Architekten. Der Jugendstil brachte in der damaligen Textilweltstadt St. Gallen grossartige bauliche Monumente hervor, so auch die Häuser am Marktplatz 18 und 20, in denen das Unternehmen Frischknecht heute seinen Sitz hat. 1911 kaufte Ferdinand Frischknecht die Liegenschaft Marktplatz 20 in bar.

Doch da war auch der Erste Weltkrieg. Ferdinand, unterdessen Vater von vier Söhnen und 47 Jahre alt, musste einen Bahnübergang im Westen der Stadt bewachen. Seine Frau Susette kümmerte sich um das Geschäft. Ernst, der Zweitälteste, der Jahre später das Geschäft übernahm, hielt seine Erinnerungen schriftlich fest: «Die Rationierungskarten reichten nirgends hin. Vier Buben essen grosse Mengen. Wir waren imstande, drei bis vier Stunden zu irgendeinem Vetter auf dem Lande zu wandern, in der Hoffnung, dort wieder einmal den Magen füllen zu können.»

Ernst wurde Goldschmied wie sein Vater. Nach dem Krieg absolvierte er seine Lehr- und Wanderjahre in Bern, Genf und Pforzheim. Ein Mittagessen im deutschen Pforzheim kostete aufgrund der damaligen Geldentwertung zeitweise 600 Milliarden Mark. Und so kam es, dass Ernst der Deutschen Bundesbahn eine Milliarde Mark schuldete, weil er unbefugt ein Bahngleis überquert hatte. Er hat die Busse nie beglichen.

Teil 1: bis 1894

Es war Anfang der Achtzigerjahre des vorletzten Jahrhunderts. Deutschland war noch ein Kaiserreich, und über den Gotthard fuhren noch Postkutschen. In Herisau ging ein junger Mann durch die Gassen. Dabei entdeckte er einen Goldschmied, und zu ihm kehrte er in den folgenden Tagen und Monaten immer wieder zurück. Der junge Mann namens Ferdinand, 1867 in eine Arztfamilie geboren, war fasziniert, wie der Goldschmied Ringe und Broschen kreierte, wie er Gold und Silber zu Ketten formte. Schliesslich liess sich Ferdinand in St.Gallen zum Goldschmied ausbilden.

1894 – nach Wanderjahren, die ihn nach Zürich, Pforzheim, Lugano und Biel gebracht hatten – gründete Ferdinand Frischknecht in St.Gallen seine eigene Goldschmiede. An der Neugasse hatte er passende Räume gefunden. Heute steht dort der Hauptsitz der Bank acrevis. Eine historische Aufnahme der Neugasse ist erhalten geblieben. Auch ein Bild von Ferdinand Frischknecht existiert. Es zeigt ihn im vorgerückten Alter – er ist 99 geworden.

Noch mit 80 Jahren übrigens soll Ferdinand Frischknecht im Goldschmiede- Atelier Schmuck hergestellt haben. Geschäft und Atelier bestehen unterdessen seit 125 Jahren. Das Unternehmen ist das älteste Uhren- und Schmuckgeschäft in St.Gallen, das stets in Familienhand geblieben ist. Heute führt es Katharina Frischknecht Stettler – als Urenkelin von Ferdinand vertritt sie die vierte Generation.